Das kann doch nicht wahr sein!?

Das kann doch nicht wahr sein!?




Madita und Lucas sitzen im Innenhof ihres Hauses. Sie wollen die letzten warmen Sommertage genießen, obwohl beide noch ganz mit ihren Hausaufgaben beschäftigt sind. 

Madita: Puuh, ich bin endlich fertig mit meinen Rechenaufgaben. Warum könnten die Sommerferien nicht einfach ewig dauern? 

Lucas: Ja, ich würde auch gerne morgens länger schlafen. Aber anderseits bin ich froh, wieder in Berlin und auch in der Schule zu sein.

Madita: Ist das dein Ernst? Also, Berlin schon, das kann ich gut verstehen. Es muss ja totlangweilig da auf dem Lande sein. Aber in der Schule?

Lucas: Hey, so schlimm ist das bei uns zu Hause nicht. Du hättest mich ja gerne besuchen können... Und mit der Schule bräuchte ich jetzt auch eigentlich Hilfe. Ich glaube, du weißt hier besser Bescheid. Kannst du mir mal kurz helfen?

Madita: Na klar. Worum geht's denn?

Lucas: Also, wir machen da so ein fächerübergreifendes Projekt oder wie das heißt, über Fake News“. In Sozialkunde und Deutsch- und Englischunterricht behandeln wir das gleiche Thema. Ich weiß nur noch nicht, womit ich anfangen soll...

Madita: Das klingt ja echt interessant! Was ist das Ziel des Projekts?

Lucas: Ehrlich gesagt, ich denke, nicht mal die Lehrer wissen das so genau. Wir sollen auf jeden Fall herausfinden, woran man falsche Nachrichten erkennen kann und am Ende dann irgendeine Kampagne mit Plakaten, Flyern oder Reden führen.

Madita: Ach was, das ist doch gar nicht so kompliziert.

Lucas: Du hast gut reden. Ich glaube, ich habe noch nie irgendwas von Fake News gelesen.

Madita: Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, wir leben in zwei Welten. Du in deiner Musikbubble mit Beethovens Sonaten und ich in der virtuellen Realität mit Snapchat oder auf Twitter oder...

Lucas: Okay, okay, vielleicht ist es nicht immer sinnvoll, dass ich soziale Medien meide.

Madita: Anfangs war das schon ein Schock, aber mittlerweile finde ich es eher süß, dass ich dich immer aufsuchen muss, wenn ich etwas von dir hören will. Aber du, wir können das Thema sicher auch sonst im Internet recherchieren. Schau mal, hier ist zum Beispiel ein Artikel im Südkurier: Die erfolgreichsten Fake News: Wir zeigen Ihnen, was hinter den bekanntesten Falschnachrichten steckt“.

Lucas: Das ist wohl keine besonders zuverlässige Quelle, oder? 

Madita: Wieso? Ach, du verwechselst ihn mit dem Berliner Kurier, nicht wahr? Doch, es ist eine regionale Tageszeitung und kein Boulevardblatt wie unser lokaler Kurier.

Lucas: Schön, dass du dich so gut auskennst. Zeig mal, was für ein Beispiel gibt's denn da? 

Madita: Pope Francis Shocks World, Endorses Donald Trump for President“

Lucas: Wie bitte? Was heißt endorses“?

Madita: Der Papst soll also Trump im Wahlkampf unterstützen. All fake! Der Papst Franziskus würde nie so eine Erklärung abgeben. 

Lucas: Umso schlimmer: Merkel hofft auf 12 Millionen Einwanderer“, kann jemand wirklich so einen Quatsch glauben? Obwohl unsere Mutti“ der Meinung war, dass die Grenzen für die Asylbewerber offen bleiben und die Deutschen sie unterstützen können und müssen, wäre so eine Aussage ein politischer Selbstmord im Wahljahr 2017 gewesen. 

Madita: Hier wird sehr geschickt auf englische Medien und auf ein Strategiepapier der Regierung hingedeutet. Das reicht schon für die meisten. Da fragt man sich nicht, ob Wochenblick eine seriöse Quelle ist oder was diese englischen Medien überhaupt für Medien sind. 

Lucas: Da hast du leider Recht.

Madita: Ach, daran kann ich mich noch erinnern. Saskia hat mir erzählt, wie schockiert ihr Vater war, als er auf Facebook gelesen hatte, dass der Schauspieler Morgan Freeman tot wäre. 

Lucas: Das ist so krass! Warum will jemand Menschen so anlügen? Das lässt sich doch auch ziemlich leicht überprüfen.

Madita: Einige Seiten ziehen halt auch mit ganz fragwürdigen Mitteln die Aufmerksamkeit der Leute auf sich, weil das Geld einbringt.

Lucas: Das wird mir jetzt echt zu viel. Ich brauche ein Eis. Gehen wir in das neue Eiscafé in der Leydenallee? Ich habe noch nicht alle Sorten durchprobiert.

Madita: Ich weiß nicht richtig, ich müsste noch mein Zimmer aufräumen. 

Lucas: Komm schon! Ich lade dich ein. Du hast mir eben sehr geholfen.

Madita: Na gut, einverstanden!


Quelle: Südkurier


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