Text 2: Herzlich willkommen bei uns!
1.14 Vor dem ersten Hören
A) Höre dir das Gespräch Herzlich willkommen bei uns! an. Sammle alle für dich wichtigen Informationen in einer MindMap, die du später zum Nacherzählen der Situation benötigen wirst.Folgende Fragen können dir dabei helfen:
- Wo finden die Dialoge statt?
- Was machen die Menschen zusammen?
- Wer spricht? Was erfährst du über die Personen?
B) Erzählt nun zu zweit mit Hilfe eurer Stichpunkte gemeinsam die Geschichte nach.

Herzlich Willkommen bei uns!
| Großvater | Adil Nejem, 67 Jahre alt | gelernter Bäcker |
| Mutter | Nassima Nejem, 36 Jahre alt | Kindergärtnerin |
| Sohn | Bader, 17 Jahre alt | Fußball |
| Tochter | Nura, 13 Jahre alt | Musik |
| Sohn | Saad, 12 Jahre alt | Lesen |
Hintergrundgeräusche: Stimmengewirr, lustiges Lachen, leise Musik
Lucas: Könnte ich mal bitte den Salat haben? Danke..... Was ist das eigentlich für ein Salat?
Nassima: Das ist Fatusch. Normalerweise essen wir ihn als Vorspeise.
Adil: Meine Schwiegertochter macht den besten Fatusch, den ich kenne. Und deshalb hat sie ihn für Sie zum Probieren zubereitet.
Lucas: Interessant! Was ist da noch außer Tomate und Gurke drin?
Nassima: Das hier? Das sind gebratene Fladenbrotstückchen...
Lucas: Ah...
Oma Hilde: Lieber Herr Nejem, ich freue mich so, dass Sie und Ihre Familie in unser Haus gezogen sind! Wir heißen Sie alle ganz herzlich in der Breiten Straße 123 willkommen! Kinder, lasst uns anstoßen.... Auf Familie Nejem... Herzlich willkommen!
Adil: Vielen Dank, Frau Hilde.
* * * Gläser klirren, Stimmengewirr * * *
Oma Hilde: Wissen Sie, bei uns im Haus duzen sich alle Nachbarn. Wollen wir das nicht auch machen? Sie können einfach „Hilde“ und „du“ zu mir sagen.
Adil: Oh, das ehrt uns aber sehr. Ich bin Adil.
Madita: Adil? Diesen Namen habe ich ja noch nie gehört. Was bedeutet der denn?
Adil: Hm, so wird eine Person genannt, die immer zu allen gleich ehrlich ist... Was heißt das noch gleich?
Nassima: Gerecht, Abi. Im Arabischen haben die meisten Namen eine Bedeutung. Und „Adil“ bedeutet „der Gerechte“.
Oma Hilde: Oh, wie schön! Und wofür steht „Nassima“?
Adil: Meine Tochter ist „der Morgenwind“...
* * * Stimmengewirr, leise Musik * * *
Bader: Interessierst du dich auch für Sport?
Lucas: Nein, nicht so richtig. Ich bin eher unsportlich. Ich spiele Geige. Und du? Machst du irgendwelchen Sport?
Bader: Ja, ich habe zu Hause in einem Fußballverein gespielt. Ich war Torwart. Aber das ist schon etwas länger her.
Lucas: Wo ist denn dein Zuhause? Ich meine in Syrien, woher kommt ihr?
Bader: Wir haben in Latakia gewohnt. Das ist eine Stadt ganz im Westen des Landes, an der Küste. Dort konnten wir am Strand Fußball spielen.
Lucas. Latakia... habe ich noch nie gehört. Kannst du mir das mal auf der Karte zeigen?
Bader: Klar, hier ... warte...
Lucas: Und wie seid ihr von dort nach Deutschland gekommen? Seid ihr auch irgendwie mit einem Schlauchboot über das Mittelmeer gebracht worden?
Bader: Nein, wir nicht. Guck, ... hier liegt Latakia.
Lucas: Ah...
Bader: Wir sind zusammen mit meinen Großeltern in die Türkei gereist. In Ankara wohnte nämlich eine Schwester meiner Großmutter. In der Türkei haben meine Eltern versucht, Flugtickets nach Österreich oder nach Deutschland zu bekommen. Meine Mutter hat eine Studienfreundin in Salzburg. Aber wir hatten nicht genug Geld für alle. Und da wollte mein Vater mit Djamila und mir auf dem Landweg nach Österreich. An der Grenze zu Bulgarien haben wir auch einen LKW gefunden, der Richtung Nordeuropa unterwegs war. Er hatte aber nur noch Platz für zwei Leute. Also ist mein Vater mit Djamila mitgefahren. Er wollte sie nicht allein lassen, aber mir traute er zu, dass ich allein zurück zu meiner Familie nach Ankara kommen würde.
Lucas: Wie? Du musstest den ganzen Weg alleine wieder zurück? Zu Fuß?
Bader: Naja, es blieb mir ja nichts anderes übrig. Aber zum Glück nicht zu Fuß. Ein netter Obstbauer hat mich in seinem Auto mit zurück nach Ankara genommen.
Lucas: Und dann? Seid ihr dann nach Österreich geflogen?
Bader: Nicht direkt. Also es dauerte noch eineinhalb Monate, bevor unser Flug ging. In der Zeit ist leider meine Großmutter erkrankt. Sie musste ins Krankenhaus. Das war alles furchtbar schrecklich, weil wir ja kein Türkisch sprechen. Und nach zwei Wochen konnten die Ärzte leider nichts mehr machen. Wir haben sie in Ankara beerdigen müssen. Mein Großvater wollte gar nicht mehr weiterfahren.
Aber dann sind wir von Ankara nicht nach Österreich, sondern nach München geflogen. Am Flughafen wurden wir kontrolliert. Und weil wir keine Bestätigung hatten, dass wir in Salzburg von der Freundin meiner Mutter erwartet wurden, haben sie uns zuerst in ein Flüchtlingslager gebracht. Nach Rosenheim.
Lucas: Och, Mann. Das war bestimmt nicht so toll? Tut mir leid.
Bader: Hm, wir hatten nur ein Zimmer, für uns fünf. Und die Klos und Duschen mussten sich Männer und Frauen teilen. Aber dort habe ich sofort Deutsch gelernt. Der Hausmeister hat nämlich immer seinen Sohn mitgebracht und wir haben gemeinsam Fußball gespielt.
Lucas: Und wie lange wart ihr in Rosenheim? Bist du da auch zur Schule gegangen? Oder wann sind dein Vater und deine Schwester angekommen?
Bader: Die letzten Anrufe von meinem Vater haben wir erhalten, als sie von Rumänien nach Ungarn weiterreisen wollten. Die Fahrt mit dem LKW durch Bulgarien und Rumänien verlief wohl ganz gut. Aber an der ungarischen Grenze wurde der LKW komplett auseinandergenommen und sie haben alle Leute, die sich im Anhänger versteckt hatten, gefunden. Danach wurden sie in ein Gefängnis oder so gebracht und seitdem haben wir keinen Kontakt mehr zu ihnen.
Lucas: Wie? Das glaube ich nicht! Ungarn ist doch ein europäisches Land? Wieso bringen sie die Flüchtlinge ins Gefängnis? Wann war das denn?
Bader: Vor knapp zwei Jahren... In Rosenheim waren wir ungefähr ein halbes Jahr, solange bis der Bescheid vom BAMF kam, dass wir in Deutschland bleiben dürfen. Dann mussten wir in ein anderes Heim nach Norddeutschland. In Lensahn sind meine Geschwister und ich dann zum ersten Mal in eine deutsche Schule gegangen. Aber weil in dem Heim auch zu wenig Wohnraum für uns war, hat man uns nach ein paar Wochen weitergeschickt, auf die Insel Rügen. Da hatten wir zum ersten Mal eine eigene kleine Wohnung mit zwei Zimmern. Auf der Insel Rügen fand ich es voll schön: lange Strände und das Meer, fast wie zu Hause. Da wäre ich gern geblieben. Aber dann bekamen wir die Information, dass es in Berlin eine Wohnung mit 4 Zimmern für uns gäbe. Und weil meine Mutter noch darauf wartet, dass mein Vater und meine Schwester bald aus Ungarn zu uns finden würden, haben sie und Großvater beschlossen, nach Berlin zu ziehen. Sie meinen, dass mein Vater uns hier leichter finden kann.
Lucas: Das verstehe ich. Hoffentlich kommen sie bald. Aber hey, ich finde es gut, dass du jetzt hier bist. Hier, möchtest du noch eine Brause?
