Alle verschieden, alle gleich?
Alle verschieden, alle gleich?
Saskia muss für die Schule einen Vortrag unter dem Titel „Alle verschieden, alle gleich?“ vorbereiten. Sie weiß überhaupt nicht, worüber sie schreiben soll. Soll sie Themen wie #me too, Gleichstellung der Geschlechter, Recht auf Abtreibung, sprachliche oder kulturelle Minderheiten oder z.B. Trans- und Intersexualität behandeln? Sie ist völlig durcheinander und ratlos. Und der Vortrag sollte schon übermorgen fertig sein! So spricht Saskia mit ihrer Mutter darüber, die es leider ein wenig eilig hat und sich nicht so eingehend mit Saskias Problem auseinandersetzen kann. Aber Mama kann ihr trotzdem eine passende Idee geben, weil ihr eingefallen ist, dass eine von Saskias besten Freundinnen ein Kopftuch trägt. Daran haben sich alle so gewöhnt, dass es überhaupt kein Thema ist und sich niemand darüber Gedanken macht oder danach fragen würde. Saskia könnte ja über Religionen schreiben und wie einige Religionen in der Gesellschaft mehr toleriert werden als andere. Gesagt, getan. Hier nun Saskias Vortrag:
Kopftuch tragen – aus Trotz gegen die Gesellschaft oder aus Liebe zu Gott?
Viele Christen tragen eine Kreuzkette am Hals. Sie gehen aber nicht oft in die Kirche, vielleicht nur an Weihnachten und zur Hochzeit. Unter Freunden oder Kollegen wird nicht viel über Religion und christlichen Glauben gesprochen, und das Aussehen verrät meistens nicht, ob man zur Kirche gehört oder nicht. Stören uns Kopftücher gerade deshalb, weil das Kopftuch die Religion und den Glauben an Gott sichtbar macht? Schämen wir uns vielleicht deswegen, weil unser Glaube nicht so stark ist oder gar nicht existiert?
Es gibt heftige Debatten über das Kopftuchtragen. Politiker und Islamexperten streiten sich über ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren. Einige vertreten die Meinung, dass Mädchen unter 14 Jahren das Kopftuch nur wegen des hohen sozialen Drucks in der Familie in islamischen Kreisen tragen. Weil das Kopftuch die Reize der Frau vor Männern verstecken soll, würden kleine Mädchen auf diese Weise durch Kopftücher sexualisiert.
Auch in den christlichen Familien wollen die Eltern, dass ihre Kinder getauft werden oder sonntags zum Konfirmationsunterricht gehen. Sie wollen also sowohl die Persönlichkeit ihrer Kinder entwickeln als ihnen auch Riten und Traditionen vermitteln, was für ganz normal und selbstverständlich gehalten wird. Warum regen wir uns dann besonders auf, wenn es um die Vermittlung muslimischer Traditionen geht? Warum dürfen muslimische Mädchen in ihrem Elternhaus gelernte religiöse Praktiken nicht ausprobieren und betreiben, während die Mädchen aus christlichen Familien das tun dürfen?
In der islamischen Lehre ist es keine Pflicht, dass junge Mädchen Kopftuch tragen. Klar, auch in der christlichen Lehre wird nicht vorgeschrieben, in die Sonntagsschule zu gehen. Die Gegner des Kopftuchtragens denken aber, dass die Mädchen dann auch später das Kopftuch nicht weglassen würden, weil der Druck durch Väter und andere Männer der Gemeinde so groß ist. Ich bin der Meinung, dass die Schule und Gesellschaft uns Jugendliche so erziehen soll, dass wir als junge Erwachsene auf eigenen Beinen stehen und unsere eigenen Entscheidungen treffen können. Egal, ob man Christ, Muslim, Buddhist oder Atheist ist.
Quelle: Frei nach Deutsch Perfekt 6/18
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